04.08.2012

Über die Bedeutung von Reisefotos: Hauptgericht oder Beilage?

von Oli
Foto: marie Lawrenz

Welche Bedeutung haben Reisefotos? Das habe ich mich in letzter Zeit oft gefragt. Machst du Fotos von deiner Reise oder verreist du, um Fotos zu machen? Letzteres lässt sich schnell ausschließen: Eher selten bin ich auf Großwildjagd in Afrika oder halte die Gletscherschmelze auf Grönland fest. Doch wenn ich von einem Trip nach Hause komme, untermale ich meine Erzählungen immer mit Fotos oder Videos, die ich gemacht habe. Meine Freunde können erkennen, wie grün das Gras ist. Wie hoch die Berge, wie klar das Meer. Ob Kamelkacke in Kasachstan oder sinkende Sonne in Simbabwemanchmal können Bilder die Schönheit der weiten Welt einfach besser beschreiben als Worte. Aber sind sie unbedingt notwendig?


Früher ging es auch ganz prima ohne Fotos! All die tollen Abenteuergeschichten über heiße Wüstenexpeditionen und Matrosen im Kampf gegen pazifische Stürme, die ich gelesen habe. Keine  Fotos. Höchstens auf dem Buchdeckel eine Zeichnung von Käptn Ahab, wie er Moby Dick meuchelmörderisch aufspießen möchte.

Rhino im Ritterkostüm
Andererseits fällt mir die Geschichte vom Rhinozeros ein. Albrecht Dürer hört vor 500 Jahren von einem Nashorn, welches von Indien nach Italien verschifft werden soll. Leider sinkt das Schiff. Deshalb zeichnet er das Tier nach den Beschreibungen eines Augenzeugen. Was dabei heraus kommt, ist der Wirklichkeit im Entferntesten schon ziemlich nah. Wäre mit einem Foto vielleicht nicht so schiefgegangen. Aber ich schweife ab.

Reisefotos unterstützen die Echtheit jeder Anekdote. Ja, das habe ich wirklich erlebt, hier ein Schnappschuss! Ich habe das Gefühl, dass die Leute heutzutage skeptischer sind. War das wirklich eine nordamerikanische Schnappschildkröte, die dir den Zeigefinger abgebissen hat? Hast du auch ein Foto davon? Nicht? Ach so, naja...

Fotos können auch die bessere Alternative zu Souvenirs sein. Wie viele schreckliche Mitbringsel habe ich schon bekommen? Und immer frage ich mich: Gibt es zu diesem Zweck nicht extra Zollbeamte, die mich vor solchen Dingen schützen sollen? Da wünschte ich eher, sie ließen sich in  jedem Land, das sie besuchen, tätowieren. Fänd ich auch ganz schön.

Was mir sehr gut gefällt: In Zeiten von Instagram und Smartphone-Fotografie sind Daheimgebliebene im Prinzip mit auf der Reise. Immer in der Hosentasche dabei. Werden von mir allerdings regelmäßige Updates erwartet, suche ich mit einem Auge dauernd nach Motiven. Das lenkt mich manchmal von schönen Dingen auf meiner Reise ab. Von der zähflüssigen Langsamkeit in südlichen Ländern. Von verschwiegenen Blicken im hohen Norden. Muss es immer Kunst sein? Reichen auch Fotos mit der Digicam, ein Bild mit dem Smartphone? Oder muss ich bei 43 Grad im Schatten kiloschwere Kameraausrüstung mit mir herumschleppen? Falls ein Affe einen Handstand macht. Könnte ja passieren.
Für mich persönlich steht auf jeden Fall das Reisen im Vordergrund. Klar, ich würde mir auch wochenlang Reisefotos angucken, keine Frage! Doch ich will etwas erleben. Wenn mir ein gutes Motiv auffällt und ein guter Schnappschuss dabei herauskommt – super! Nur haben sie bei mir eher eine ergänzende Funktion in der Reiseberichterstattung, da ich meistens die ganze Geschichte des Bildes nicht in einem einzigen Moment einfangen kann. Dabei füllen sie aber trotzdem wichtige Gedächtnislücken und helfen mir des Öfteren, alle Erinnerungen wieder zusammenzufügen.

Wie geht es euch damit? Für mich sind die besten Reisefotos die, die spontan entstehen und perfekt den Moment einfangen, den ich gerade erlebe. Dann sind sie einzigartig. Dann ist meine Reise für immer festgehalten.

Kommentare:

  1. Ich liebe es, Fotos zu machen. Allerdings fang ich gleich an Panik zu kriegen, dass ich nicht alles mögliches fotografiere und damit genieß ich manchmal den Moment nicht. Dazu kommt die Frage, ob eine schwere Kamera und Fotoausrüstung sich wirklich lohnt... Heutzutage machen die Smartphone unglaublich gute Bilder, also das könnte eine Lösung sein. Aber wenn ich wählen müsste, die Reise und das Erlebnis sind natürlich am ersten Platz.

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  2. Hallo Elli,
    diesen Gewissenskonflikt habe ich auch. Manchmal nimmt uns die Art der Reise zum Glück die Entscheidung ab, wie zum Beispiel bei Stefans GR-20 Trip. Das finde ich praktisch!

    Oli

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  3. Die Fotos, die man bei dem GR-20 Bericht sehen kann, sind echt wunderschön - in diesem Fall lohnt es sich bestimmt! :)

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  4. Gerade beim Bloggen frage ich mich immer wieder, wie viele Leser meine unkenntnisreiche Fotografie wohl vergrault. In vielen Reiseblogs sind ganz grandiose Bilder zu sehen, bei mir nur Schnappschüsse aus dem Handgelenk. Ich glaube schon, fass das etwas ausmacht. Dann widerum gibt es auch erfolgreiche Blogs mit grauenhafter Rechtschreibung und Zeichensetzung. Authentizität ist wahrscheinlich das Zauberwort und Maß aller Dinge.

    Viele Grüße,
    Lena

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