28.07.2012

Reisebericht: Sardinien - zwischen Thunfischen und Touris

Text: Steven Hille
Bilder: Steven Hille

Ist der deutsche Sommer nicht freundlich zu uns, besuchen wir einfach seinen italienischen Bruder. Daher hat unser lieber Freund Steven von funkloch.me Freundin und Flip Flops geschnappt, um sich auf der wunderschönen Mittelmeerinsel Sardinien einen Lenz zu machen. Wo gibt es den besten Fisch? Was bedeutet „Sehenswürdigkeit“ auf italienisch? Wie genießt man südländisches Flair am besten? Erfahrt es in seinem Reisebericht!

Idyllischer Ausblick auf den Leuchtturm auf Carloforte
Immer online, immer erreichbar, immer unterwegs – unser Alltag.
Umso schöner ist es, wenn man ein paar Tage abschalten und die geliebte Ferne erkunden kann.

Mich zog es diesen Sommer zusammen mit meiner Freundin nach Italien. Dass wir in Richtung Sardinien wollten, war uns schon vor Reisebeginn klar. Doch wie findet man das geeignete Hotel? Natürlich online. Tripadvisor bietet eine sehr transparente Bewertungsplattform, mit der so manche Pleite vermieden werden kann. Allerdings sollte auf eine hohe Anzahl von Bewertungen geachtet werden, da in diversen Hotelbewertungen viel Eigenmarketing betrieben wird.

Wir entschieden uns dazu, unseren Urlaub zu splitten. Den Flug über EasyJet buchten wir genauso wie die Hotels separat und entschieden uns dafür, den ersten Teil unseres Urlaubs in Carloforte (Insel San Pietro) und den zweiten Teil in Cagliari (Insel Sardinien) zu verbringen. Eine gute Kombination, wie sicher später herausstellen sollte. 

Teil 1 der Reise - Carloforte
In Carloforte, der einzigen bewohnten Stadt San Pietros, hatten wir eine sehr entspannte Zeit. Unser Hotel „Villa Pimpina“ liegt mitten in der Innenstadt, mitten im kulturellen Leben der dortigen Bevölkerung. Man grüßt sich in den kleinen Gassen, wenn man sich wieder erkennt oder einfach nur aus Höflichkeit. Kommuniziert haben wir mit Händen und Füßen, da man hier weder Englisch, Spanisch noch Deutsch spricht. Völlig verrückt ist, dass die Einheimischen sich für die Sprachbarrieren entschuldigten, obwohl wir diejenigen waren, die sich hätten entschuldigen sollen – typisch für die extrem freundlichen und hilfsbereiten Inselbewohner.

Blick auf den Hafen von Carloforte
An den Stränden der Insel, die sich aufgrund des Reliefs nur im Süden und Westen befinden, verspürten wir ein Google+ ähnliches Feeling. Absolute Stille.
Die Strände der Insel sind oft so versteckt oder klein, dass man nur teilweise einen nahegelegenen Shop vorfindet. Also immer ausreichend Proviant und vor allem auch Wasser mitnehmen. Das gilt unter anderem auch für den Besuch weiterer Sehenswürdigkeiten, wie dem Leuchtturm an der Westküste. Moment, ähm weitere Sehenswürdigkeiten? Neben der sagenhaften Innenstadt, den Buchten, Höhlen, Stränden, dem erwähnten Leuchtturm und der sagenhaften Natur gibt es eher weniger zu sehen. Allerdings sind die Carlofortini wahre Künstler im Erfinden von weiteren Sehenswürdigkeiten. Stinknormale Felsen werden als „Le colonne“ bezeichnet, ein wilder Haufen Geröll als „Amphitheater“ und man spricht unentwegt von Erosion. Erosion als Sehenswürdigkeit Nummer zwei.
Sehenswürdigkeit Nummer eins hingegen ist tatsächlich eine Spezialität der Fischerinsel – der Thunfischfang. Mit großen Tonnaren (=große Thunfisch-Fangreusen) werden die Fische während ihrer Wanderungen gefangen. Weltweit gilt Thunfisch aus Carloforte als Qualitätsthunfisch. Wenn ihr ihn mal probieren wollt – eine Dose mit 250g bekommt man für ca. 36€. Ein Thunfischsteak in Carloforte kostet nur die Hälfte.

An etwas größeren Stränden, die in größeren Buchten liegen, finden sich zuweilen traumhafte Strandbars. In Deutschland ist an solchen Orten nur an ein Restaurant mit Tiefkühler und Mikrowelle zu denken. Nicht aber in La Caletta: Wir bekamen in brütender Mittagshitze knackigen Salat, herrlich frischen Thunfisch und Mosciame (=Thunfisch Carpaccio) serviert, welches mit Dosenthunfisch etwa so zu vergleichen ist, wie weißer Trüffel gegenüber Fliegenpilz: delikat statt ungenießbar. 

Teil 2 der Reise - Cagliari
Nach sieben Tagen verließen wir die Insel mit der Fähre Richtung Portovesme. Mit einem Busshuttle wurden wir innerhalb einer 90 minütigen Fahrt für 15€ pro Person nach Cagliari gebracht. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Reisekosten auf Sardinien sehr fair sind.
Bei Tagesausflügen ist es sehr zu empfehlen, nicht den ersten Bus am Morgen zu nehmen. In diesen überfüllten Transporten sitzen sämtliche Straßenhändler, die dann später versuchen werden, dir allerlei Sonnenbrillen, Ketten, Perlen und Sonstiges zu verkaufen. Katastrophal wird die Busfahrt, wenn zu viele von diesen Straßenhändlern im Bus sind, so dass die maximale Personenanzahl überschritten wird und der Bus erst weiter fahren kann wenn Freiwillige bzw. die letzten, die eingestiegen sind, wieder aussteigen. Da das für gewöhnlich keiner macht – müssen die Carabinieri gerufen werden. Ganz doof wird es dann, wenn man als nicht italienisch sprechender Tourist keinen Ausweis dabei hat. Wir hatten Glück und konnten nach einer Stunde Zwangspause weiterfahren.

So muss ein Käsefrühstück aussehen!
Die Menschen sind in Cagliari nicht so freundlich wie in Carloforte, wahrscheinlich weil sie vom Tourismus gestresst oder genervt sind. Nicht selten erlebten wir vorgespielte oder geheuchelte Freundlichkeit.

Eine ganz große Ausnahme bildete unser Hotelmanager, Koch und Reiseleiter Mauro, dem das Bed & Breakfast „il caliarese“ gehört. Er zauberte uns das leckerste Käsefrühstück aller Zeiten und jeden Morgen gab es zusätzlich Cappuccino, frischen Obstsalat und selbstgemachtes Tiramisu. Jeden Morgen! Es war himmlisch.

Wem bisher nicht auffiel, wie abhängig die Stadt vom Tourismus ist, der war noch nicht am Strand gewesen. 10 km endloser Sandstrand, gemischt mit Liegen und Sonnenschirmen – ein touristisches Mekka. Obwohl wir uns Anfang Juli noch nicht in der Hochsaison befanden, war der Strand hoffnungslos überfüllt und dreckig. Das sonst so klare Wasser, für welches Sardinien weltweit bekannt ist, war sehr milchig. Doch das wahre Ausmaß ließ sich erst am Abend bemerken, als wir die Rückkehr in die Innenstadt antraten. Dreispurige Straßen waren innerhalb von Minuten rappelvoll.

Aber der Gedanke an das Abendbrotessen in einer der kleinen Gassen hielt uns bei Laune. In Cagliari gibt es eben so unglaublich gutes Essen, wie in Carloforte. Von Pizza und Pasta über Couscous, Seafood und Thunfischrogen probierten wir so ziemlich alles aus, wobei auf letzteren gut und gerne verzichtet werden kann.
 
Die Preise sind entgegen des Sardinien-Klischees sehr moderat. Für zwei Personen zahlten wir, ohne sonderlich aufs Geld zu achten, um die 45-55€ für Wasser, Wein, eine Vorspeise und zwei Hauptgerichte, Brot und Coperti (=Trinkgeld/Servicezuschlag).
Nach dem Abendbrotessen kann man in der Innenstadt super ein Bioeis essen gehen, oder es sich in einer der Lounge-artigen Bars im Stadtbezirk Castello (=Altstadt) gemütlich machen.

Cagliari bei Nacht
Wir verbrachten den letzten und vielleicht auch schönsten Abend in einer dieser Bars. Am nächsten Tag ging´s wieder nach Berlin.
Insgesamt kann ich rückblickend sagen, dass der Urlaub trotz der genannten Kritikpunkte extrem toll war. Der Mix aus abgelegener Fischerinsel und Hauptstadt einer Mittelmeerinsel machte genau das Besondere des Urlaubs aus und sorgte neben der nötigen Entspannung auch für den kulturellen Kick.

Kurz nach der Landung, sprangen die Passagiere von ihren Plätzen auf und hasteten zu ihren Gepäckstücken. Der Mann hinter mir ließ niedergeschlagen verlauten: „Willkommen im Alltag.“.


Kommentare:

  1. Dort würde ich auch gerne gehen. Meine Eltern waren vor 6 Jahren an der Süd-West Küste und hatten sich in die Insel verliebt. Ich habe gehört, in manchen Orten kann man sogar surfen, was für das Mittelmeer ein Wunder ist!
    Preise sind auch ok, hätte ich mehr erwartet. Vielleicht im nächsten Frühling... :)

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    1. Hey Elli.
      Ich glaube, dass man vlt. im Westen surfen kann, da hier die Insel am offenen Meer liegt. In La Caletta waren an einem sehr windigen Tag auch zwei Surfer unterwegs.
      Mehr Spaß macht das aber sicher in Portugal oder noch weiter gen Westen. ;)

      Zu den Preisen kurz noch eine Anmerkung: Das dachte ich auch und denken irgendwie sehr viele Menschen, mit denen ich meine Erfahrungen geteilt habe. Scheint echt ein krasses Vorurteil zu sein.

      Dann freu dich schon mal auf den Frühling. Und wenn du noch Fragen hast oder Tipps brauchst - melde dich!

      Steven

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  2. der Tourismus nun in Sardinien ist nicht, wie es früher war

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