Text: Steven Hille
Bilder: Steven Hille
Ist der deutsche Sommer nicht
freundlich zu uns, besuchen wir einfach seinen italienischen Bruder.
Daher hat unser lieber Freund Steven von funkloch.me Freundin und Flip Flops geschnappt, um sich
auf der wunderschönen Mittelmeerinsel Sardinien einen Lenz zu
machen. Wo gibt es den besten Fisch? Was bedeutet „Sehenswürdigkeit“
auf italienisch? Wie genießt man südländisches Flair am besten?
Erfahrt es in seinem Reisebericht!
Immer online, immer erreichbar, immer
unterwegs – unser Alltag.
Umso schöner ist es, wenn man ein paar
Tage abschalten und die geliebte Ferne erkunden kann.
Mich zog es diesen Sommer zusammen mit
meiner Freundin nach Italien. Dass wir in Richtung Sardinien wollten,
war uns schon vor Reisebeginn klar. Doch wie findet man das geeignete
Hotel? Natürlich online. Tripadvisor bietet eine sehr transparente
Bewertungsplattform, mit der so manche Pleite vermieden werden kann.
Allerdings sollte auf eine hohe Anzahl von Bewertungen geachtet
werden, da in diversen Hotelbewertungen viel Eigenmarketing betrieben
wird.
Wir entschieden uns dazu, unseren Urlaub zu splitten. Den Flug über EasyJet buchten wir genauso wie die Hotels separat und entschieden uns dafür, den ersten Teil unseres Urlaubs in Carloforte (Insel San Pietro) und den zweiten Teil in Cagliari (Insel Sardinien) zu verbringen. Eine gute Kombination, wie sicher später herausstellen sollte.
Wir entschieden uns dazu, unseren Urlaub zu splitten. Den Flug über EasyJet buchten wir genauso wie die Hotels separat und entschieden uns dafür, den ersten Teil unseres Urlaubs in Carloforte (Insel San Pietro) und den zweiten Teil in Cagliari (Insel Sardinien) zu verbringen. Eine gute Kombination, wie sicher später herausstellen sollte.
Teil 1 der Reise - Carloforte
In Carloforte, der einzigen bewohnten Stadt San
Pietros, hatten wir eine sehr entspannte Zeit. Unser Hotel „Villa Pimpina“ liegt mitten in der Innenstadt, mitten
im kulturellen Leben der dortigen Bevölkerung. Man grüßt sich in
den kleinen Gassen, wenn man sich wieder erkennt oder einfach nur aus
Höflichkeit. Kommuniziert haben wir mit Händen und Füßen, da man
hier weder Englisch, Spanisch noch Deutsch spricht. Völlig verrückt
ist, dass die Einheimischen sich für die Sprachbarrieren
entschuldigten, obwohl wir diejenigen waren, die sich hätten
entschuldigen sollen – typisch für die extrem freundlichen und
hilfsbereiten Inselbewohner.
| Blick auf den Hafen von Carloforte |
Die Strände der Insel sind oft so
versteckt oder klein, dass man nur teilweise einen nahegelegenen Shop
vorfindet. Also immer ausreichend Proviant und vor allem auch Wasser
mitnehmen. Das gilt unter anderem auch für den Besuch weiterer
Sehenswürdigkeiten, wie dem Leuchtturm an der Westküste. Moment,
ähm weitere Sehenswürdigkeiten? Neben der sagenhaften Innenstadt,
den Buchten, Höhlen, Stränden, dem erwähnten Leuchtturm und der
sagenhaften Natur gibt es eher weniger zu sehen. Allerdings sind die
Carlofortini wahre Künstler im Erfinden von weiteren
Sehenswürdigkeiten. Stinknormale Felsen werden als „Le colonne“
bezeichnet, ein wilder Haufen Geröll als „Amphitheater“ und man
spricht unentwegt von Erosion. Erosion als Sehenswürdigkeit Nummer
zwei.
Sehenswürdigkeit Nummer eins hingegen
ist tatsächlich eine Spezialität der Fischerinsel – der
Thunfischfang. Mit großen Tonnaren (=große Thunfisch-Fangreusen)
werden die Fische während ihrer Wanderungen gefangen. Weltweit gilt
Thunfisch aus Carloforte als Qualitätsthunfisch. Wenn ihr ihn mal
probieren wollt – eine Dose mit 250g bekommt man für ca.
36€. Ein Thunfischsteak in Carloforte kostet nur die Hälfte.
An etwas größeren Stränden, die in
größeren Buchten liegen, finden sich zuweilen traumhafte
Strandbars. In Deutschland ist an solchen Orten nur an ein Restaurant
mit Tiefkühler und Mikrowelle zu denken. Nicht aber in La Caletta:
Wir bekamen in brütender Mittagshitze knackigen Salat, herrlich
frischen Thunfisch und Mosciame (=Thunfisch Carpaccio) serviert,
welches mit Dosenthunfisch etwa so zu vergleichen ist, wie weißer
Trüffel gegenüber Fliegenpilz: delikat statt ungenießbar.
Teil 2 der Reise - Cagliari
Nach sieben Tagen verließen wir die
Insel mit der Fähre Richtung Portovesme. Mit einem
Busshuttle wurden wir innerhalb einer 90 minütigen Fahrt für 15€
pro Person nach Cagliari gebracht. Grundsätzlich kann man sagen,
dass die Reisekosten auf Sardinien sehr fair sind.
Bei Tagesausflügen ist es sehr zu
empfehlen, nicht den ersten Bus am Morgen zu nehmen. In diesen
überfüllten Transporten sitzen sämtliche Straßenhändler, die
dann später versuchen werden, dir allerlei Sonnenbrillen, Ketten,
Perlen und Sonstiges zu verkaufen. Katastrophal wird die Busfahrt,
wenn zu viele von diesen Straßenhändlern im Bus sind, so dass die
maximale Personenanzahl überschritten wird und der Bus erst weiter
fahren kann wenn Freiwillige bzw. die letzten, die eingestiegen sind,
wieder aussteigen. Da das für gewöhnlich keiner macht – müssen
die Carabinieri gerufen werden. Ganz doof wird es dann, wenn man als
nicht italienisch sprechender Tourist keinen Ausweis dabei hat. Wir
hatten Glück und konnten nach einer Stunde Zwangspause weiterfahren.
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| So muss ein Käsefrühstück aussehen! |
Eine ganz große Ausnahme bildete unser
Hotelmanager, Koch und Reiseleiter Mauro, dem das Bed & Breakfast „il caliarese“ gehört. Er
zauberte uns das leckerste Käsefrühstück aller Zeiten und jeden
Morgen gab es zusätzlich Cappuccino, frischen Obstsalat und
selbstgemachtes Tiramisu. Jeden Morgen! Es war himmlisch.
Wem bisher nicht auffiel, wie abhängig
die Stadt vom Tourismus ist, der war noch nicht am Strand gewesen. 10
km endloser Sandstrand, gemischt mit Liegen und Sonnenschirmen –
ein touristisches Mekka. Obwohl wir uns Anfang Juli noch nicht in der
Hochsaison befanden, war der Strand hoffnungslos überfüllt und
dreckig. Das sonst so klare Wasser, für welches Sardinien weltweit
bekannt ist, war sehr milchig. Doch das wahre Ausmaß ließ sich erst
am Abend bemerken, als wir die Rückkehr in die Innenstadt antraten.
Dreispurige Straßen waren innerhalb von Minuten rappelvoll.
Aber der Gedanke an das Abendbrotessen
in einer der kleinen Gassen hielt uns bei Laune. In Cagliari gibt es
eben so unglaublich gutes Essen, wie in Carloforte. Von Pizza und
Pasta über Couscous, Seafood und Thunfischrogen probierten wir so
ziemlich alles aus, wobei auf letzteren gut und gerne verzichtet
werden kann.
Die Preise sind entgegen des
Sardinien-Klischees sehr moderat. Für zwei Personen zahlten wir,
ohne sonderlich aufs Geld zu achten, um die 45-55€ für Wasser,
Wein, eine Vorspeise und zwei Hauptgerichte, Brot und Coperti
(=Trinkgeld/Servicezuschlag).
Nach dem Abendbrotessen kann man in der
Innenstadt super ein Bioeis essen gehen, oder es sich in einer der
Lounge-artigen Bars im Stadtbezirk Castello (=Altstadt) gemütlich
machen.
| Cagliari bei Nacht |
Insgesamt kann ich rückblickend sagen,
dass der Urlaub trotz der genannten Kritikpunkte extrem toll war. Der
Mix aus abgelegener Fischerinsel und Hauptstadt einer Mittelmeerinsel
machte genau das Besondere des Urlaubs aus und sorgte neben der
nötigen Entspannung auch für den kulturellen Kick.
Kurz nach der Landung, sprangen die
Passagiere von ihren Plätzen auf und hasteten zu ihren
Gepäckstücken. Der Mann hinter mir ließ niedergeschlagen
verlauten: „Willkommen im Alltag.“.

Dort würde ich auch gerne gehen. Meine Eltern waren vor 6 Jahren an der Süd-West Küste und hatten sich in die Insel verliebt. Ich habe gehört, in manchen Orten kann man sogar surfen, was für das Mittelmeer ein Wunder ist!
AntwortenLöschenPreise sind auch ok, hätte ich mehr erwartet. Vielleicht im nächsten Frühling... :)
Hey Elli.
LöschenIch glaube, dass man vlt. im Westen surfen kann, da hier die Insel am offenen Meer liegt. In La Caletta waren an einem sehr windigen Tag auch zwei Surfer unterwegs.
Mehr Spaß macht das aber sicher in Portugal oder noch weiter gen Westen. ;)
Zu den Preisen kurz noch eine Anmerkung: Das dachte ich auch und denken irgendwie sehr viele Menschen, mit denen ich meine Erfahrungen geteilt habe. Scheint echt ein krasses Vorurteil zu sein.
Dann freu dich schon mal auf den Frühling. Und wenn du noch Fragen hast oder Tipps brauchst - melde dich!
Steven
der Tourismus nun in Sardinien ist nicht, wie es früher war
AntwortenLöschenWie war es denn früher?
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