12.07.2012

Günstig reisen: Kreta, Insel der Oliven und Gebirge – Teil 2 des Reiseberichtes

von Oli
Fotos: marie Lawrenz

Im ersten Teil meines Kreta-Reiseberichtes habe ich mit euch einige Eindrücke von der Hauptstadt Iráklio geteilt, verschiedene sehr schöne Seiten der Hafenstadt Réthimno dargelegt und über das Bergdorf Spíli zum anderen Küstenende nach Agia Galini geführt. Und genau hier geht die Reise weiter.


...Ich betrete die kleine Terrassenbar, um mich kurz an den Computer zu setzen. 15 Minuten Internet kosten 50 Cent. Während ich meine E-Mails lese, bekomme ich von Giorgís, dem Barmann, Raki am laufenden Band angeboten. Meinen Eltern zu schreiben ist jetzt nicht mehr drin. Dabei bin ich doch erst seit 10 Minuten hier...

Die vielen Tavernen schmiegen sich mit ihren Dachterrassen eng an den Berg. Eine von ihnen hat es mir ganz besonders angetan, das Onar. Ohne zu übertreiben – ich habe noch nie so gut gegessen. Auf dem Dach des Gasthauses mit Blick auf die ruhige See werden mir schmackhafte regionale Spezialitäten serviert und ich habe das wohlige Gefühl, dass sogar die griechischen Götter mit mir tauschen möchten.
Am nahe gelegenen Strand lass ich die Seele baumeln und speise auch hier für wenig Geld wie ein König. Die salzige Meeresluft wünsche ich mir seitdem zu jeder Mahlzeit.

Wieder mit dem Bus komme ich nach Míres. Eine Kioskbesitzerin verkauft mir vorher mehrere Bündel mit 20 Cent Fahrkarten, welche sie mühselig zu einem Drei-Euro-Paket zusammentackert. Es geht also auch kompliziert.
Samstags wird hier auf dem langen, leicht ramschigen Markt gehandelt. Größtenteils bietet der Kreter Ware für den Kreter an. Bis 13 Uhr ist die volle Auswahl vorhanden, danach beginnen die Aussteller in der Mittagshitze ihre Stände abzubauen. Besonders empfehlenswert sind frischer Fisch, Obst und Gemüse. Alles zu sagenhaft günstigen Preisen und von einer Qualität, die wir in Deutschland leider nicht gewohnt sind. Hauptaugenmerk des Marktes ist die große Auswahl an günstiger Kleidung.

Dürfen es ein paar Schnecken sein? Oder doch lieber neue Schuhe für die Freundin?
In der ansonsten etwas heruntergekommenen Kleinstadt, die neben dem Markt nicht viel zu bieten hat, habe ich den bisher größter Gyros meines Lebens gegessen. Selbstverständlich mit Meersalz gewürzt. In der Marktpassage hat zudem jede Taverne ihren offenen Grill zur Straße hinaus angelegt. Hungrig auf den Markt zu gehen, mit stetem Souvlaki-Geruch in der Nase, bringt noch jeden an den Rand des Wahnsinns.
Möchte Míres wieder verlassen werden, empfiehlt es sich, die Kreter nach dem richtigen Weg zu fragen, da hier ca. 15.000 Bushaltestellenschilder auf engstem Raum stehen.

Land und Leute:
Der von den Medien aufgebauschte Unmut gegenüber uns, den „Merkels“, ist auf der Insel nicht zu spüren. Vielleicht liegt es daran, dass viele Kreter ihre Existenzen auf dem Tourismus aufgebaut haben. Dass es den Griechen finanziell nicht allzu gut geht, sieht man leider schon seit Jahren: Unfertige Häuser gehören zumindest auf den griechischen Inseln genauso zum Anblick wie Olivenbäume. Allerdings werden Centbeträge hier immer noch abgerundet. Warum sie trotzdem ihre südländische Lebensfreude nicht verlieren, weiß ich nicht. Mein griechischer Freund Andréas meint, da helfen gute Hausfrauenkost und Ouzo. Viel Ouzo. Ich denke, da hat er Recht.

Das einzige, woran ich mich einfach nicht gewöhnen kann, ist das Kurvenschneiden der Kreter und ihr nicht vorhandenes Umweltbewusstsein. Die vielen wilden Müllhalden in der wunderschönen Landschaft zu sehen, macht sogar mich als Städter traurig.

Wer sich fragt, woher die vielen Einschusslöcher in den Straßenschildern kommen: sie stammen von Schießübungen, denn früher waren Blutfehden auf Kreta ein angesagtes Thema. Heute sind die Einheimischen jedoch nicht mehr so nachtragend. Außer bei falschen Orakeln.

Günstig unterwegs:
Mit dem Bus, im Norden am schnellsten auf der Verbindungsstraße.
Wer günstig mit dem Taxi fahren will, schließt sich mit möglichst vielen Leuten zusammen, tut so, als würde man sich kennen und wählt ein gemeinsames Fahrtziel. Dann kann die Summe durch die Anzahl der Personen geteilt werden. Merkt der Fahrer aber, dass es sich um eine Fahrgemeinschaft handelt, zahlt jede Person den vollen Fahrpreis.

Günstig übernachten:
„Camping? No problem!“ Auf Kreta befinden sich entlang der Küsten zahlreiche Campingplätze, in bestimmten Gegenden ist auch Wildcampen erlaubt. Für die Verpflegung mit Hilfe eines Gaskochers haben die griechischen Tante-Emma-Läden eine große Auswahl an eingelegten Magenfüllern parat. Wer aber trotzdem ein festes Dach über dem Kopf haben will: außerhalb der Saison gibt es Studios bereits ab 20€ und Doppelzimmer ab 10€ pro Nacht.

Günstig speisen:
Ist überall auf Kreta, selbst in den touristischsten Gegenden, kein Problem. Egal ob Zwischenmahlzeiten wie Gyros oder Griechischer Salat: alles ist nicht teuer und wird in Mengen angeboten. Kommentar zu meinem Lieblingsdessert (Griechischer Joghurt mit Honig): Im Becher ist ja mehr Joghurt, als man bei uns in einer Packung kaufen kann! Das erste, was zum Essen gebracht wird, ist nicht etwa Brot sondern eine Kanne Raki. Ja, eine ganze Kanne. Umsonst. Und egal, wie wenig oder viel bestellt wird: Es gibt immer noch eine Nachspeise und Raki aufs Haus.

Auf Reisen spielt Kulinarisches für mich immer eine besonders große Rolle. Hier daher zum Abschluss noch einige Spezialitäten, die unbedingt probiert werden sollten: 
Vorspeisen:
Crêpes mit Ziegenkäse und Honig.
Saganaki: Gebratener Käse.
Dolmadakia: Gefüllte Reisblätter.
Gefüllte Zucchiniblüten.
Hauptspeisen:
Soutzoukakia: Fleischbällchen in Tomatensauce.
Lamm Kleftiko: Gebackenes Lamm, eingewickelt wie ein Weihnachtsgeschenk.
Souvlaki: Saftigere Schweinefleischspieße habe ich bisher noch nirgendwo anders bekommen.
Mousakás: Hackfleischauflauf mit Tomaten, Kartoffeln, Auberginen, Béchamel-Sauce und Zimt.
Außerdem alles, was aus dem Meer kommt. Frische Kost, die mit Tradition und Liebe zubereitet wurde, kann einfach nur gut schmecken. Zu allem empfehle ich Knoblauchbrot, kiloweise Tzaziki und natürlich Oliven.
Desserts:
Griechischer Joghurt mit Honig und Walnüssen.
Galaktobureko: Grießauflauf.
Kadaifi: Honiggebäck.

Ein Schwarm Sardinen, eine Farm Vieh und eine Tonne griechischer Joghurt. Da bleibt noch Platz!


Kommentare:

  1. ui. Kreta. Das wäre auch fein! Ich suche noch etwas spontanes für Sommer und Herbst...jetzt ha ich Lust auf Griechenland! :-)

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  3. Super, wenn du beim Lesen Reiselust bekommen hast, hab ich mein Ziel erreicht ;-)

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