03.06.2012

Günstig Reisen: Schweden erleben für einen schmalen Taler - ein Reisebericht

Text: Stefan
Fotos: Alex, Flo, Stefan

Der See Sövdesjön liegt in einer der zahlreichen Idyllen, die überall in Schweden zu finden sind. Die einzige Ansammlung von Menschen ist die kleine angrenzende Metropole Sövde, die 291 Seelen zählt. Wir befinden uns in einem Paddelkahn an der Spitze einer der vielen Halbinseln. Die See ist ruhig, es ist leicht bewölkt und der Wind weht uns eine mit Seeduft versehende Brise um die Ohren. Das Einzige, das auf dem See zu hören ist, ist ein abklingendes Echo, das sich bis zu den Ufern ausbreitet: "FUCK. FUCK. FUCK. FUCK.". Mein Reisebegleiter hat den ersten und einzigen großen Biss an der Angel. Ein beachtlich großer Hecht. Er zieht den Fisch näher an den Kahn. In aller Eile bereite ich den Kescher vor, der sich irgendwie nicht ausziehen lassen möchte. Gerade als ich den Fisch ins Netz fischen will, kann er sich vom Haken befreien und flieht in den weiten See. Nachdem das Echo abklang, war es wieder still.
Das verlängerte Pfingstwochenende nutzten meine vier Freunde und ich, um erste Erfahrungen in Schweden zu sammeln. Wir wollten uns einen ersten Eindruck vom Land machen, von dem alle Reisenden in höchsten Tönen berichten, in dem Billy geboren wurde und welches ein Angelparadies sein soll. Das vergleichsweise für uns Deutsche teure Land haben wir für nicht einmal 100 Euro erkundet. Günstiger geht es wohl kaum.


Typische Landschaft im Süden Schwedens

Günstig Schweden entdecken - die Route

Während der Planung haben wir uns keine „großen“ Ziele herausgesucht. Wir haben eine Karte auseinandergefaltet und überlegt, welche Region wir in drei Tagen erkunden möchten. Startpunkt war ungefähr Berlin. Das Ganze gleicht den Anfängen einer mathematischen Lösung:

gegeben: - Auto
               - drei Tage
               - fünf Personen

gesucht:  - Reiseziel

Ausblick von der Fähre zum Sonnenaufgang
Die Region Snogeholmssjön sprang sofort ins Auge. Drei Seen, abgelegen von großen Städten und lediglich eine Autostunde vom Fährhafen Trelleborg entfernt. Perfekt. Von Berlin aus fuhren wir nach Sassnitz auf Rügen, um dort zu unserer Fähre zu gelangen. Abfahrt: 2:45 Uhr. Diese Zeit war perfekt, da wir in den Morgenstunden in Schweden ankommen würden und immer noch den kompletten Samstag für Unfug zur Verfügung hatten. Außerdem ist die Nachtfahrt ein echter Geheimtipp. Wir befanden uns pünktlich zum Sonnenaufgang auf der hohen See. Östlich der Fähre zeigte sich nach und nach die Morgensonne in voller Pracht. Westlich vom Kutter war immer noch der Sternenhimmel zu sehen. Ein unbeschreiblich schönes Bild.
Auf der Fähre nutzten wir die Gunst der Stunde und deckten uns mit zwei Stiegen Heinecken aus dem Duty-Free Shop ein, um auf die Überfahrt unseres kleinen Roadtrips anzustoßen. An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass Fahrer und Beifahrer in Schweden null Promille haben müssen.
Ankunft in Trelleborg um 6 Uhr. Die Stadt befand sich noch im Tiefschlaf. Kein Mensch war auf den Straßen zu sehen. Zu unserer Verwunderung waren auf den Gehwegen nur Hühner und Enten zu sehen. Strange. Wir fuhren die Landstraße weiter in östliche Richtung, parallel zum Strand der Ostsee. Ein wundervolles Panorama. Links weite Rapsfelder und klassische schwedische Landhäuser und rechts das weite Meer. Als wir Ystad erreichten, fuhren wir weiter Richtung Norden bis wir die Region Snogeholmssjön mit dem gleichnamigen See erreichten. Ziel erreicht. Wir nutzten übrigens kein Navi, weil wir a) unsere Kartenlese-Skills erweitern wollten und ich b) das Navi zu Hause vergessen hatte.

Wir sind auf der Suche nach einem Lagerplatz

Das Jedermannsrecht und was es damit auf sich hat, Angeln und lockere Schweden

Von Schweden habe ich schon viele Berichte gehört. Alle waren durch die Bank weg positiv. Ich habe vor der Reise versucht herauszufinden, was denn so richtig blöd an diesem Land ist. Keine Antwort. Eigentlich hört sich ja auch alles schön an: hübsche Blondinen, nette Landsleute, das Jedermannsrecht und tolle Landschaften. Klingt nach dem Paradies. Allerdings entsprach die Realität nicht ganz unseren Vorstellungen.

Uns gefiel besonders das Jedermannsrecht ("Allemansrätten"), das jedem freien Zugang zur Natur garantiert. Legales Wildcampen, coole Sache. Ganz selbstbewusst wollten wir es uns am See gemütlich machen. Keine 10 Minuten später kam eine Art Ranger an und klärte uns darüber auf. Mit dem Jedermannsrecht verhält es sich wie mit den Vorstellungen anderer Länder über freie Autobahnen in Deutschland: es ist möglich, aber nicht überall erlaubt. In Sichtweite von Häusern, in Naturparks und auf landwirtschaftlichen Nutzflächen ist Wildcampen nicht gestattet. Blöd nur, dass an jedem See in Schweden Häuser stehen. Aber der Schwede ist entgegenkommend. Campingplätze wurden errichtet, auf denen kostenlos mehrere Tage kampiert werden kann. Oft gibt es vor Ort sogar Zugang zu sanitären Einrichtungen. Für die Pyromanen wurden Feuerstellen angelegt. Das Feuerholz wird entweder in der Nähe zur Verfügung gestellt oder wird aus dem Wald entnommen. Logischerweise ist es verboten Bäume zu fällen. Nur tote, abgefallene Äste sollen verbrannt werden. Da hat es uns nicht gewundert, dass die Wälder um diese Campingplätze besonders sauber und frei von "Gestrüpp" waren.
Am Ufer des Snogeholmssjön ist das Angeln erlaubt. Wer mit dem Kahn herausfahren möchte, benötigt eine Angelkarte ("Fiskekort"). Diese kann jeder beim Fischer oder in einem örtlichen Konsum erwerben. Einen Anglerschein mit Schulung, Prüfung und all dem Quatsch wie in Deutschland ist nicht erforderlich. An dieser Stelle ein Rat aus persönlicher Erfahrung: informiert euch über die Angelerlaubnis, bevor ihr die Angeln hineinwerft. Wir wurden einen Tag später am südlich gelegenen See "Ellestadsjön" ziemlich in die Mangel genommen. Als wir dort gerade unsere Angeln vorbereiteten, dauerte es nicht lang bis ein Motorboot ankam, das vom örtlichen Fischer gesteuert wurde. Er nahm eine unserer Angeln und rief "We call the police! You are not allowed to fish here! We call the police!" Nach einer ewig andauernden Diskussion gab er uns die Angel wieder und wir konnten den See ohne Polizei verlassen. So viel zum Vorurteil, dass jeder Schwede eine lockere Lebensart hat. Dennoch waren alle Schweden (mit Ausnahme des Fischers) sehr nett und hilfsbereit.

Ich wollte nie glauben, dass alle Schwedinnen blond und hübsch sind. Tja, jetzt glaube ich es. Zumindest ein großer Teil der "Damer" entsprach der knappen Beschreibung. Wir haben glücklicherweise die richtige Modesaison erwischt. Ultraknappe Hot Pants aus Jeans mit leicht durchsichtigem Top und (meist) schwarzem BH. Hätten die Damen noch weniger Stofffetzen am Körper getragen, würden sie in die Kategorie "Bademode" fallen. Mir fiel diese Mode erst am letzten Tag während der Rückfahrt auf. Nach drei Tagen Männerwochenende achtet man(n) besonders auf die weibliche Bevölkerung.

Lasst euch von den grimmigen Gesichtern nicht täuschen.
  
Drei Tage Schweden - das Fazit und die Kosten

Schön!
Oft wurde die Frage gestellt: "Lohnen sich überhaupt drei Tage in Schweden?" - Natürlich nicht. Aber es ging uns ja nicht darum das ganze Land zu erkunden. Wir wollten uns einen ersten Eindruck von der Lebensart der Menschen, der Natur und den "Vorurteilen" einholen. Mit den Erfahrungen, die wir in den drei Tagen gesammelt haben, können wir jetzt eine größere Schwedenreise planen. Außerdem haben wir ein verlängertes Wochenende bis auf die letzte Stunde in einem anderen Land in der Natur ausgenutzt. Es war kein Kultururlaub. Wir haben keinen Elch gesehen oder neue Freundschaften in Schweden geschlossen. Aber wir hatten einen spaßigen Roadtrip und interessante Outdoorerlebnisse. Ich kann es nur jedem empfehlen, der aus dem Alltag herauskommen und etwas erleben möchten.
Die Kosten übertrafen untertrafen unsere Planung. Insgesamt 85 Euro für einen Roadtrip nach Schweden und zurück. Alle Zusatzkosten mit inbegriffen.
Die Fähre haben wir übrigens über Scandlines gebucht.

Ach, und weil wir gerade bei Schweden sind. Zum Schluss muss ich noch einen Dank an Volvo aussprechen. Seit mehreren Jahren fährt mich mein Volvo V40 durch verschiedene Länder Europas. Nie hat er mich ernsthaft im Stich gelassen. 370.000 Km hat er jetzt auf den Achsen. Der Motor schnurrt wie eine Dieselkatze. Vielen Dank für die Reise durch 10 Länder, vielen Dank für die Zuverlässigkeit und vielen Dank für das Reisegefühl, das dieses Auto permanent ausstrahlt. Dafür habe ich den alten Schweden mit auf die Reise genommen und einen Schweden-Sticker auf die Heckklappe geklatscht. Außerdem konnte er ein wenig Heimatluft schnuppern. Darüber hat er sich bestimmt auch gefreut.



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Kommentare:

  1. Unglaublich schöne Landschaftsbilder. Womit wurden sie gemacht?

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    1. Danke! Die Fotos wurden mit einer Canon EOS 600D geknipst.

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  2. Ihr könnt mir nicht zufällig eine kleine Kostenaufstellung schicken? Also wie viel Geld ihr für was ausgegeben habt? Das wäre wirklich super!

    Liebe Grüße,

    Ronja.

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  3. Achja, und habt ihr zufällig die Route noch, also wo genau ihr lang und hingefahren seid?

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