13.05.2012

Rückblick auf den größten Hindernislauf der Welt: Fisherman's Friend StrongmanRun 2012

von Oli
Fotos: Pico Spoo

Der Fisherman's Friend StrongmanRun 2012 sollte besonders hart werden. Einfallsreichtum und Ausmaße der Hindernisse steigerten sich im Vergleich zum letzten Lauf um das Doppelte. Zu meiner Freude gesellte sich mein Freund David dazu, der nach meinen Berichten vom StrongmanRun 2011 Feuer und Flamme war. Also lief ich diesmal nicht nur gegen mich selbst, sondern auch mit und gegen ihn. Herausforderung angenommen!

Hindernis #15 "Final Destination"

Der diesjährige Lauf begann mit einer schönen Autofahrt, 7 Stunden von Berlin zum Nürburgring. Vor Ort wurden wir mit Nieselregen begrüßt, welcher in der Nacht zum Platzregen entwickelte. Nach einer Nacht im Zelt gab es am nebligfeuchten Morgen ein Sportlerfrühstück, für mich in Form von Weißbrot und Honig. Gegen 11 Uhr holten wir ganz entspannt unsere Startunterlagen ab. Irgendwie verquatschten wir uns und mussten doch noch flinke Füße machen, um rechtzeitig zum Start zu gelangen. Mittlerweile regnete es in Strömen, die frischen 7°C bereiteten uns zudem Vorfreude auf den Hindernislauf.

Kurz nach dem Start, Sicht gleich null
Fünf Minuten vor dem Startschuss waren wir im Starterfeld angekommen, bereit für die Herausforderung. Doch plötzlich kam die Durchsage, dass sich der Start um 30 Minuten verschieben würde. Doch das konnte uns nicht die Laune verderben. 12:30 Uhr starteten wir unseren Lauf - es war kalt, es war nass, es war neblig - ich fand es perfekt. Ich laufe sowieso lieber bei Regen und zu einem Hindernislauf dieses Formats passt einfach kein Kaiserwetter. Es versprach eine gute Zeit zu werden. Nach weniger als zwei Kilometern standen wir plötzlich in einer großen Menschenmenge. Grund dafür war nicht etwa das erste Hindernis, nein: Fast 10.000 Läufer mussten durch ein drei Meter breites Tor mit anschließendem schlammigen Anstieg. Eine logistische Katastrophe.

Wer auf faire Läufer wartete, musste viel Zeit mitbringen 
Da wir noch nicht richtig warm gelaufen waren, wurde es recht schnell kühl. Und es ging einfach nicht voran. Nach 15 Minuten Anstehen, begannen sich Läufer vorzudrengeln oder über Zäune zu klettern. Wir, unter den ersten 3000 Läufern, hatten den Anstand zu warten, bis wir voran kamen. Doch es ging nicht weiter. Mittlerweile standen wir schon eine halbe Stunde an der gleichen Stelle und uns erreichten bereits Läufer, die schon bei ihrer zweiten Runde waren. Diese wurden seltsamerweise von den Ordnern an uns vorbei geschleust und vor gelassen. Auch mussten wir feststellen, dass die Menge hinter uns über einen anderen Weg umgeleitet wurde und wir nun zum Feld der letzten 500 Leute gehörten. Wir waren nicht auf Bestrundenzeiten aus, doch das stimmte uns etwas missmutig. Nun ging es endlich wieder voran, nach 40 Minuten Wartezeit. Schlammgruben folgten, ein Riesenspaß. Und die "Grüne Hölle" wartete wieder mit gnadenlosen Anstiegen, einem Rauchhindernis und einer Kletterwand auf.

Verschlammt glücklich und unter Strom

Schlamm, Reifen, Netze - alles war vor Ort
Nach weiteren Hindernissen und kernigen Anstiegen wartete ein Hindernis auf uns, was eigentlich eher an eine willkommene Entspannung erinnerte: eine riesige Wasserrutsche. Ein klasse Einfall! Doch danach ging es über Kiesberge auf einen kolossalen Schlammberg zu. Der Regen hatte alle erdenen Teile der Strecke bereits restlos in eine einzige Schlammgrube verwandelt. Beim Erklimmen dieses Schlammbergs gruben wir unsere Finger in den Dreck und versuchten uns an jedem Grashalm festzuhalten, der sich anbot. Doch nach jedem Schritt rutschten wir wieder einen halben hinunter. Nach diesem Hindernis war auch der letzte Muskel entgültig auf Hochtouren. Eine schöne Abkühlung bot da das Hindernis #8, der "Panikpool". Ein 40 Meter langes Schwimmbecken, in dem Moment das Paradies für mich. Danach wartete ein Hindernis auf uns, welches uns mittels herabhängenden Kabeln 12V Stromstöße verpasste, eine clevere Idee! Alle weiteren Hindernisse bereiteten uns Freude und Schmerzen zugleich. Die erste Runde beendeten wir nach 2:15 h, unsere Zielzeit belief sich nach der zweiten auf sagenhafte 3:51 h. Im Gegensatz zu meiner letzten Zielzeit von 2:46 h war das für mich eine ganz schöne Überraschung.

Fazit: Der Fisherman's Friend StrongmanRun war auch dieses Jahr wieder eine große Herausforderung. David war vom Lauf begeistert, kein Wunder, bei den guten Hindernissen und dem vielen Schlamm. Es war ein einziger Abenteuerspielplatz inklusive Halbmarathon. Allerdings war die Organisation der Veranstaltung ein Reinfall. Aus den Fehlern des letzten Jahres hatte scheinbar niemand gelernt, die fairen Sportler mussten ewig an den Hindernissen anstehen (insgesamt über eine Stunde!), die Garderoben mit unseren Wertsachen waren nach dem Lauf ohne Aufsicht. Zudem kam noch, dass das Zeitlimit von 3:30 h erst nach unzähligen Kritiken der Läuferschaft aufgehoben wurde. Fisherman's Friend hat sicherlich die Hälfte der Läufer für nächstes Jahr vergrault und ich werde mir die nächste Teilnahme für 80€ auch noch gründlich überlegen. Vielleicht ist der Nürburgring einfach eine Nummer zu groß, ich weiß es nicht. Ich hoffe, die Veranstalter lernen aus ihren Fehlern und organisieren nächstes Jahr einen großartigen Lauf.

Für Interessierte hier noch eine kleine Auswahl sehr guter Hindernisläufe:
_Braveheart Battle (klingt ausgezeichnet)
_Tough Guy (Vorsicht, teuer!)
_Cross Challenge (ich bin angemeldet)
_und die kleinen Brüder des Fisherman's Friend StrongmanRun in Belgien, Schweiz, Frankreich, Italien und den Niederlanden.

Zu zweit läuft es sich einfach besser

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen