31.05.2012

Empfehlung und Interview: Mit der Routenplaner-App komoot die Heimat entdecken

von Oli
Fotos: Ute Lawrenz

Gehört die klassische Wanderkarte der Vergangenheit an? Mittlerweile gibt es Routenplaner online und interaktive Reisekarten auf dem Handy. Taugen die digitalen Alternativen wirklich etwas oder sind Karte und Kompass immer noch unverzichtbar für jede Art von Outdoortrip? Ich will es wissen.
Bei gutem Pfingstwetter mache ich mich auf die Socken, um eine Routenplaner-App zu testen, die komoot App. Sie soll mir Tourenvorschläge für Outdooraktivitäten liefern. Ausgangsort für mich ist eine Weggabelung bei Blankensee, einem Ortsteil von Trebbin im schönen Brandenburger Südwesten. Gestärkt durch Beelitzer Spargel und Schweineschnitzel will ich einen kleinen Verdauungsspaziergang absolvieren. Also Smartphone gezückt und die App geöffnet. 


Saftig grüne Bäume und blühende Wiesen - da machen Touren Spaß


Zuerst muss ich mich anmelden, damit ich mir Tourenvorschläge ansehen und auch eigene speichern kann. Die Oberfläche zeigt sich praktisch übersichtlich und verständlich und ist leicht bedienbar. Ich suche meinen Startpunkt aus. Über Aktuelle Position kann die App meinen momentanen Standort ermitteln -  oder ich suche mir einen beliebigen Ausganspunkt heraus.

Einszwei Einstellungen, dann geht's los!
Ich kann zwischen einer Rundtour und einer Strecke mit Start- und Zielpunkt wählen. Ich entscheide mich für eine Rundtour. Nun muss ich noch ein paar weitere Einstellungen vornehmen: Meine Fortbewegungsart (Wandern, Mountainbiken oder Fahrradfahren), eine Einschätzung meiner Kondition und die Zeit oder Distanz meiner Unternehmung.

Über Tour planen gelange ich zu den Tourenvorschlägen. Diese gefallen mir sehr gut, da die ungefähr benötigte Zeit, die Distanz, der Höhenunterschied und die besonderen Merkmale der Strecke sofort auf einen Blick zu sehen sind - super!
Jetzt zeigt sich meine gewählte Strecke. Bei der Wahl der Wege besteht keine Verwechslungsgefahr, denn auf dem digitalen Plan lässt es sich alles genau erkennen. Mit Hilfe kleiner Pfeile wird sogar auf die Laufrichtung hingewiesen. Was mir besonders positiv auffiel: Auch der kleinste Wanderpfad ist in der Karte verzeichnet.


Tourenvorschlag von komoot
Wird auf Los geht’s gedrückt, zeichnet die App meine zurückgelegte Wanderstrecke auf. Der Weg, den ich nun zurücklege, kann später von mir benannt und abgespeichert werden. Praktischerweise kann ich auch die Fotos, die ich auf dem Weg mit meinem Smartphone schieße, eben genau dieser Strecke zuordnen. Durch das Drücken der Lupe wird nicht etwa weiter in die Karte hineingezoomt, sondern weitere Highlights und Ausflugsziele der Strecke aufgelistet. Auch Raststätten sind darin enthalten.

Die App führt mich über schöne Wege durch eine tolle Landschaft. Es geht am Blankensee vorbei durch einen knackig grünen Park, ich genieße die Brandenburger Landschaft. Ein kleiner Abstecher beim örtlichen Fischer ist auch noch drin. Dann bemerke ich, dass der Imker heute Tag der offenen Tür hat. Das trifft sich natürlich perfekt! Ich ändere meinen Weg in der App und decke mich beim Imker mit Honig ein, nachdem ich mir einige Dinge über Bienenzüchtung beibringen lassen habe.

Aussicht auf den Blankensee


Fazit: Wie nützlich ist die Routenplaner-App?

Die Routenplaner-App von komoot ist sehr praktisch und übersichtlich. Hinzu kommt ihre schnelle und einfache Bedienung. Mich fasziniert besonders, dass sogar noch so kleine und unbekannte Wanderpfade angezeigt werden. Das vermittelt mir folgendes Gefühl: Derjenige, der mir diese Tour vorschlägt, kennt sich aus. Und diese Routen sind wie in meinem Fall nicht nur gut zurückzulegen, sondern auch schön anzusehen. Informationen werden umsonst und weltweit per GPS auf dem Smartphone abgespeichert, also keine Angst, wenn die Internetverbindung in der Pampa schlapp macht. Die komoot App bietet bereits Karten- und Tourenmaterial für viele europäische Regionen und wird ständig erweitert. Sie ist von großem Nutzen und ich rate jedem Naturfreund oder Outdoorsportler sie einmal auszutesten, denn sie wird in der jeweiligen Heimatregion kostenlos angeboten.

Im folgenden Abschnitt lassen wir Tobias, einen der komoot Gründer, zu Wort kommen:

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, komoot zu entwickeln und wann habt ihr eure Pläne in die Tat umgesetzt?

Die Idee zu komoot kam uns 2008 bei einer Wanderung im Allgäu. Wir hatten ein GPS-Gerät dabei, aber waren enttäuscht von der Benutzerfreundlichkeit und den Möglichkeiten zur Tourenplanung. Also haben wir darüber nachgedacht, wie ein einfaches und nützliches Navi für Wanderer und Fahrradfahrer aussehen könnte.

Gab es Hürden während der Entstehungsphase oder seid ihr an einem Punkt sogar an eure Grenzen gestoßen?

Als Gründer stößt man ständig auf neue Herausforderungen in vielen verschiedenen Bereichen. Zur Konzeption und Produktentwicklung kommen z.B. auch schnell rechtliche oder finanzielle Fragen hinzu. Wir haben aber auch viel Hilfe bekommen, z.B. von der UnternehmerTUM oder dem Gründerservice der TU Berlin. Nachdem die ersten Konzepte standen haben wir schnell verschiedene Wettbewerbe gewonnen und Förderungen bekommen. So ging es kontinuierlich voran und wir konnten einen Investor gewinnen. Seit eineinhalb Jahren haben wir jetzt unser Büro in Potsdam am See. Das Team besteht mittlerweile aus 13 Mitarbeitern. Das macht schon ein bisschen stolz. Eigentlich gibt es nach wie vor täglich neue Herausforderungen, aber genau das motiviert uns.

Beim Nutzen eurer App für unterwegs ist uns sehr positiv aufgefallen, dass selbst die kleinsten und unbekanntesten Pfade verzeichnet sind. Wie habt ihr das bewerkstelligt?

Die Technologie hinter komoot bringt im ersten Schritt hunderte Millionen Datensätze unterschiedlicher Partner und Quellen zusammen. Zum Beispiel aus OpenStreetMap, einem genialen Projekt, dessen Mitglieder eine freie Weltkarte erstellen. Die Daten müssen dann so aufbereitet werden, dass wir daraus individuelle Routen planen, Ausflugsziele vorschlagen und topographische Karten erzeugen können. Insgesamt steckt also einiges an Technologie, Entwicklung und Rechenleistung dahinter.

Komoot ist von Naturfreunden für Naturfreunde entwickelt worden. Wie viele Touren habt ihr selbst schon mit eurer tollen Erfindung unternommen?

Wir sind ständig mit komoot unterwegs. Einerseits, weil wir neue Funktionen ja testen müssen, bevor sie in die App kommen. Wir sind aber auch privat schon süchtig danach geworden, unsere Wander-, Fahrrad-, Jogging-, oder Longboard-Touren aufzuzeichnen, sie online mit Fotos und Erinnerungen zu füllen und sie mit Freunden zu teilen. Unser großer Team-Ausflug im Herbst war natürlich eine mit komoot geplante Wandertour: http://www.komoot.de/tour/team-ausflug-ins- elbsandsteingebirge/t101338 .

Ob Wandern, Bergsteigen, Mountainbiken oder Fahrradfahren: Ihr bietet Tourenvorschläge für jeden Geschmack. Was steht bei komoot als nächstes auf dem Programm?

Letzte Woche haben wir die erste Sprachnavigation für Fahrradfahrer für Android herausgebracht. In Kürze kommt das auch auf dem iPhone. Für www.komoot.de gab es neue User- und Tourseiten. Auch dort ist einiges in der Pipeline. Diesen Sommer wird es noch eine komplett überarbeitete Routenplanung mit wesentlich mehr Information und auch für’s Rennrad geben. Wir freuen uns schon wie wild. 

Vielen Dank an Stephanie und Tobias, die das Interview ermöglicht haben!

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