07.08.2016

Eine Ode an Bangkoks Nachtmarkt



von Oli.

Nach dem ersten Bissen verfalle ich in eine Art Trance. Die einsetzende Dämmerung lenkt meinen Blick in ein blauorangenes Zwielicht, der wacklige rosa Plastikhocker unter mir verwirrt mein Gleichgewichtsgefühl und das Geruchsgemisch aus gezupftem Entenfleisch, Kohl und Teigtaschen raubt mir die Sinne. Es ist, als würde ein Nervengift von der Zunge aus in mein Hirn kriechen, um dort jeden sich formenden Gedanken im Keim zu ersticken. Die repetitiven Bewegungen meiner Umgebung formen sich zu einem Schema: Das Schlurfen von Latschen, das Schlürfen von Suppe aus hunderten Mündern, das Schleifen der kleinen Plastikhocker auf dem zerlebten Gehweg.

27.07.2016

Der Fuchs plant nichts Gutes


von Oli.

Die Gemütslage des Mannes wechselt von Zorn zu purer Wut. Seine Augenbrauen ziehen sich zusammen, Hass erobert jeden Winkel seines unrasierten Gesichts. Ich kann spüren, wie er vor meinen Füßen ausspucken will. Er gestikuliert und tobt und findet kein Ende.
Ich schaue auf die Uhr. Noch fünfundzwanzig Minuten, bis das Flugzeug abhebt.
„Ihr kommt hier nicht mehr weg“, sagt er grimmig.

19.06.2016

Meine Prager Odyssee oder Wie ich zum Einbrecher wurde



von Oli.

Scheiße, denke ich. Himmelarsch, Scheißdreck.
Nach dem ermüdenden fünfstündigen Ritt nach Prag finde ich keinen Platz, um mein Auto abzustellen. Ich bleibe in der Einfahrt zu meinem Quartier für die Nacht stehen, um einen neuen Plan zu schmieden.
Erfolglos bin ich um den ganzen Block gefahren.
Nein, ich hatte nicht damit gerechnet, dass man in Prag als Nichtprager kaum Parkmöglichkeiten hat.
Im Seitenspiegel sehe ich einen Polizisten – ihn könnte ich um Rat fragen! Ich steige aus dem Auto, drücke routiniert die Verriegelung herunter und schließe die Tür. Im selben Moment bemerke ich meinen fatalen Fehler.