14.09.2014

Im Sandmeer des Dschingis Khan



von Oli.

Ich mag unseren namenlosen Fahrer.
Er ist freundlich, jung und motiviert und er mag mongolischen R’n’B. Das allein wären schon drei gute Gründe, mein Leben in seine Hände zu legen und ihm während der nächsten Tage in der Wüste blind zu vertrauen. Dann das Totschlagargument: Er hat einen Toyota Jeep mit gefälschten Louis Vuitton Sitzbezügen.
Was ich nicht mag ist, dass er unsere Route in die Gobi noch nie zuvor gefahren ist. Und sein dunkelblaues Basecap, auf dem in goldenen Lettern „World War II Veteran“ geschrieben steht. Das nehme ich ihm nicht sonderlich übel, denn er spricht kein Wort Englisch, nicht einmal „okay“ versteht er. Er ist ein guter Kerl, sehr höflich. Manchmal fährt er sogar so, dass wir nicht mit unseren Köpfen an die Decke des Jeeps stoßen. Es ist wichtig, in der Wüste eine Vertrauensperson zu haben. Das ist mir leider erst aufgefallen, als er vierundzwanzig Autostunden von jeglicher Zivilisation entfernt plötzlich anhält und aus dem Wagen springt.

17.08.2014

Dann lasst uns tanzen



von Oli.

„Alors on danse!“
Der Mann am Mikrofon wiederholt es immer wieder, bis ich es auch sage. Bis ich es rufe, schreie. So wie alle anderen EXIT Festivalbesucher um mich herum. Wir feiern uns selbst, feiern das Leben. Wir feiern mit Serben, Briten, Schweden und Rumänen. Bis jemand den Halt verliert und im Schlamm zu unseren Füßen landet. Bierduschen sind die Folge. Mir reichen zwei Plastikbecher voll Gerstensaft, die Musik soll ihr Übriges tun.
„Oli, Alter! Wir sind in Serbien!“
Und damit beginnt es.

10.08.2014

Flüche, Schweiß und platte Reifen



von Oli.

Drei platte Reifen.
Eine gerissene Kette.
Eine gerissene Bremsleitung.
Ein geprellter Unterarm, ein geprellter Oberschenkel.
Acht Mal Muskelkater, Sonnenbrand und schmerzende Hintern.
Acht zufriedene Gesichter.

Drei Tage Mountainbiken im Herz der Alpen haben mir und meinen Mitfahrern einiges abverlangt. Es war hart, es war kräftezehrend, es war saugeil. Wir konnten die ersten drei Etappen der neuen Bikeroute Bikeschaukel Tirol entdecken, was unsere internationale Truppe zusammengeschweißt hat. Auch die Ausblicke auf die vielfältige Bergwelt werden wir so schnell nicht wieder vergessen. Aus dem Tagebuch eines Bikers:

07.07.2014

Auf der Suche nach der Uralten Morla



von Oli.

Das Moor.

Ich rieche die Tümpel und die Feuchtigkeit. Die Luft ist schwül, sie vibriert kaum merklich. Und doch genug, um es zu spüren. Kein Wind geht. Weit und breit kein Unterschlupf. Die wenigen Bäume sind nur noch trockene Streichhölzer, die ihre letzten Nadeln wie restliche Büschel ihres Haarausfalls tragen. Ein heller Himmel lässt mich die Augen zusammenkneifen und blinzeln. Vorbeiziehende Wolken erbarmen sich und verdecken die Sonne. Mir wird kalt an den Füßen. Ich schaue an mir herunter. Trotz Moorschuhen bin ich eingesunken. Dort, wo meine Fußknöchel waren, blubbert der nasse grüne Teppich. Er gibt nach.

„Es ist ungewöhnlich ruhig hier“, sagt Algis, der vor mir durch die vollgesogenen Grünpflanzen watet. „Wir sollten die Vögel hören. Kein gutes Zeichen.“

01.07.2014

Ich will zurück nach Korfu

Dieser Beitrag wird unterstützt von kwizzme.



von Oli.
Fotos von Marie Lawrenz.

Ich winke dem Eselchen zu, bevor ich in die Allee aus Weinranken und Olivenbäumen einbiege. Ihre Schatten bergen eine angenehme Kühle an diesem heißen Tag.

„Heute wird ein guter Tag“, meint Oma Niki. „Einer, an dem man seine Seele baumeln lassen sollte.“

Mir ist nach Abenteuer – ich will die griechische Insel erkunden und mir den Küstenwind um die Ohren wehen lassen. Oma Niki sagt, ich solle es ruhig angehen lassen. Ich hätte noch so viel Zeit. Oma Niki hat immer Recht. Sie setzt sich in ihren Schaukelstuhl und beginnt Dinge zu tun, die griechische Omas am Wochenende üblicherweise tun. Und so schlendere ich durch diesen heißen Samstag, bis ich das Rauschen des Meeres vernehme und mir das Funkeln und Glitzern der Brandung sagt, dass ich die Küste erreicht habe.

24.06.2014

Die Robben von Saaremaa



von Oli.

Es war doch nicht sonderlich klug, allein und ohne Karte einen mir unbekannten Wald in Estland zu durchstreifen. Obwohl die hellen Nächte schon Jaanipäev (Mittsommer) ankündigen, schlucken dunkles Geäst und Dickicht das fahle Weiß des Vollmonds. Nach meiner Nachtwanderung, welche letztendlich in Ungewissheit gipfelte und mich aufgrund nahender Orientierungslosigkeit zur Umkehr zwang, freue ich mich auf mein Bett für die Nacht. Der kurze Kiesweg zwischen dem Waldesrand und meinem Quartier ist so trocken, dass sogar meine Schritte genügen, Loona Manor in Staub zu hüllen und mir die Sicht zu nehmen. Aus dem aufgewirbelten Dunst taucht das Gebäude auf. Tagsüber ein einladendes Gasthaus. Nachts, inmitten der Abgeschiedenheit von Estlands größter Insel Saaremaa, wirkt das Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert eher wie ein Gemäuer ganz im Sinne von Edgar Allen Poe. Wie gut, dass ich in dieser Nacht als Einziger eines der zehn Zimmer belegen sollte.

15.06.2014

Geheimnisvolles Tallinn



von Oli.

Die wunderschöne Altstadt im Kern Tallinns breitet ihre Arme aus. Andauernder Platzregen macht die unzähligen verwinkelten Gassen noch etwas enger und schluckt das Tageslicht. Das nasse alte Kopfsteinpflaster glänzt speckig und erschwert das Laufen. Estlands Hauptstadt ist ein mysteriöser Ort, der sich irgendwo zwischen dem hohen Norden und dem tiefen Osten an die Enden der Ostsee schmiegt.