08.02.2016

Zu Besuch im goldenen Käfig



von Oli.

“Denn sie wissen nicht, was sie tun”, sagt er zu mir.
“Wie könnten sie auch? Sie kennen weder sich selbst noch ihre Geschichte. Sie haben keine Identität mehr, nachdem sie vor Pol Pot geflohen sind. Das ist nicht einmal 20 Jahre her."
Ein mattes Lächeln stiehlt sich auf sein Gesicht.

15.12.2015

Andalusien Roadtrip: Von weißen Dörfern und luftigen Höhen

von Oli. Auf Einladung.



Der Motor des Fiat Punto jault laut auf, als ich vom zweiten in den ersten Gang schalte. Die letzten Ausläufer des Städtchens Algarrobo sind so eng, dass ich sehr froh bin, nur mit einem kleinen Auto unterwegs zu sein. Wobei, eigentlich wäre ich lieber ohne Auto unterwegs.
Ob der Wagen die vor mir liegende Steigung packt? An der nächsten Häuserecke biege ich ab und finde mich auf einer Straße wieder, die noch weiter ansteigt. In meinem Rückspiegel verschwinden die letzten Lichter. Das Display neben dem Tacho zeigt meinen aktuellen Kraftstoffverbrauch: 40 Liter auf 100 Kilometer. So weit ist es hoffentlich nicht mehr bis zu meiner Unterkunft, außerdem kann dieser Bergkamm unmöglich so hoch sein.
Mein rechter Scheinwerfer versagt. Nur mithilfe des Fernlichts gelingt es mir, in dieser Dunkelheit meinen Weg zu erkennen. Es ist, als würde diese spanische Nacht jeden Schimmer mit ihrem riesigen Schlund verschlucken, hungrig und nimmersatt.
Plötzlich tauchen vor mir mitten auf der Straße zwei Männer auf.
Mir bleibt das Herz fast stehen.

10.10.2015

Durch die Wildnis Frankreichs: Auf dem Klettersteig in der Lozère

Von Oli. Auf Einladung.


Ich weiß nicht, was mich eher auffangen wird: Der tosende Fluss, dessen Wassermassen das Ufer verschlucken und Baumstämme in Stromschnellen zerreißen? Ist es der kontrastlose Nebelteppich, der die Umgebung verschwinden lässt und mit grauen Wolkenwänden verschmilzt? Oder sind es die schroffen Zehen des Gorges du Tarn, die stummen todbringenden Felsenschluchten, die sich unter mir ausbreiten, darauf wartend, dass ich einen Fehler mache? Wie ich es auch drehe und wende – ein Fehler wäre hier das Ende.

08.06.2015

Glück mit Kondensmilch


von Oli.

Ein kleines Dorfcafé am hinterletzten Ende von Tra Cu. An der Hafenstraße die überdachten Hängematten, dahinter das kleine Haus aus Stein. Im Garten warten die Hähne. In der Küche warten die Shrimps. Ein spritziger Tod im Wok.
Während sich der Gastgeber für die Gesellschaft seiner fünf Freunde und meiner Wenigkeit bedankt, wird das Abendessen von den Frauen des Hauses angerichtet. Wir Männer sitzen im Kreis auf dem Boden, eine Zweiliterflasche mit sechzigprozentigem Reisschnaps macht die Runde. Er schmeckt nach eindeutig mehr Alkohol.
Ich komme kaum zum Essen, dauernd wird ein besonders langer vietnamesischer Trinkspruch fällig. Wir teilen uns die kleine Trinkschale, nach jedem Einschenken wird der Respekt vor dem Gegenüber ausgedrückt und dann wandert der Schnaps in den Rachen. Ob ich viel Alkohol vertrage, fragt der Gastgeber. Er hätte noch eine weitere Flasche herumzustehen.

18.01.2015

Das schöne Antlitz des Verfalls



von Oli.

Der Mann nickt, als er mein Ticket sieht. Ich wische mir den Schweiß von der Stirn und trete durch den steinernen Torbogen. Vor mir öffnet sich eine Welt aus grün. Der Dschungel schluckt alle Geräusche, die hinter seinem Blättermeer ausharren: Tuk Tuks, Touristen, Straßenverkäufer. Kühe, Affen, Vögel und Moskitos. Nur das Knirschen meiner eigenen Schritte auf dem sandigen Untergrund nimmt mir mein ohnmächtiges Gefühl und macht mir bewusst, dass ich nicht taub bin.
Der Tempel Ta Prohm ist kein Gebäude mehr, nur noch eine Gruppierung von Steinen, die durch Wurzeln gestützt werden. Zu allen Seiten wird das Gebilde von dichtem Geäst umzingelt. Das Dach der Bäume hält seine Finger vor meine Augen, um mich vor der Sonne zu schützen, und hindert meine Gedanken daran, sich im kambodschanischen Himmel zu verlieren.
Dann greift etwas nach meinem Fuß.

31.12.2014

Vom Schreiben schreiben





von Oli.

Ich will nur schreiben. Darin frei sein und tun was ich will.
Nicht einfach tun was auch immer man möchte, sondern tun was man wirklich will.

Ich schreibe in mein Notizheft, auf Quittungen, auf Brotpapier, auf Zettel, auf meine Haut.
Ich schreibe selten Gutes am Laptop. Ich schreibe wenig, wenn ich viel schreiben will und schreibe viel, wenn ich gerade nicht die geringste Zeit dafür habe.
Ich schreibe, weil ich muss – nicht, weil ich kann. Ich bin kein Schriftsteller, kein Journalist. Ich schreibe nur Worte in dieses Internet rein.
Katharsis.
Ich schreibe, weil es mir hilft, mich zu erinnern. Reisegeschichten, weil ich beim Schreiben noch einmal zurückreisen kann, durch Zeit und Raum, durch Gespräche, Gefühle, Gerüche und Gedanken. Mittlerweile schreibe ich auch für dich, für euch, für uns, weil ab und zu auch jemand anderes etwas mit meinen Geschichten anfangen kann.

Die folgenden sieben Artikel sind nicht von mir verfasst worden. Sieben verschiedene Verfasser haben dieses Jahr Worte miteinander verbunden, die mich zum Lachen gebracht haben. Die mir Angst gemacht haben. Oder die mir Zweifel genommen und Mut gemacht haben.
Keine Angst, das wird jetzt kein Seelenstriptease.
Die Verbindung von Schreibkunst und Erlebnissen ist in diesen Geschichten ein Glanzstück.

28.12.2014

Ich motorrolle, also bin ich. 25 asiatische Weisheiten





von Oli.

Frisch aus Asien zurück.
Zum ersten Mal habe ich diesen exotischen und geheimnisvollen Kontinent betreten und viele Dinge gelernt, unzählige Meter zurückgelegt und noch mehr hat sich meine Sicht auf die Welt geändert oder manifestiert. Das möchte ich niederschreiben, um es mit euch zu teilen. Each one teach one.
Es folgen meine Erkenntnisse. Manches ist neu für mich, manches ist alt wie die Welt. 
Habt ihr auch Weisheiten, die ihr teilen möchtet? Immer her damit!